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Children on the Move – Eine Studysession und ihre Folgen

"Children on the Move" - Straßburg - 5.3-12.3.2017

Heli hatte die Freude, an der Study Session "On the Move" in Straßburg teilzunehmen. Er schildert uns seine Erfahrungen, Eindrücke und Erkentnisse und versucht uns wieder auf das aufmerksam zu machen, was wir immer wieder gerne vergessen.

Rückblende auf das Jahr 2015: Die Nachricht über den Vormarsch der Terrororganisation „Islamischer Staat“ und die damit verbundene Fluchtbewegung von tausenden Menschen aus Krisengebieten wie Syrien oder Afghanistan dominieren die (sozialen) Medien. Noch sitzen wir vor den Fernsehern und Computern und finden diese Nachricht zwar tragisch, tun es aber als „naja, da kann ich eh nichts machen“ ab. Spätestens als aber die ersten Flüchtlinge unsere Grenze erreichen, gibt es für viele von uns kein halten mehr. Und so fahren Kinderfreund*innen und Rote Falken auf die Bahnhöfe und in die Notunterkünfte um zu helfen. Ich selbst kann mich an eine Nacht in der Tabakfabrik Linz – in welcher eine Notunterkunft eingerichtet wurde – erinnern. Diese Nacht hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Waren wir in der einen Minute noch damit beschäftigt Betten aufzustellen, Essenspakete vorzubereiten und die Ankunft der geflüchteten Menschen vorzubereiten, kamen in der nächsten Minute mehrere Busse mit Männern, Frauen, Kindern an. Und plötzlich war das Elend nicht mehr im Fernsehen und tausende Kilometer weit entfernt, plötzlich stand es in Form von Menschen vor mir. Und genau, dass ist es, was wir zu oft vergessen: Bei all dem Gerede über Menschen auf der Flucht vergessen wir nur zu leicht, dass es dabei um Schicksale – nein um Menschen geht.

 

Zurück im Jahr 2017: Die Kinderfreunde und Roten Falken sind Teil der Internationalen Falkenbewegung (IFM-sei: International Falcon Movement – Socialist Educational International) und engagieren sich, in diesem weltweiten Verband auf verschiedenste Art und Weise. Ich hatte das Glück, im März an einer internationalen Studysession zum Thema „children on the move“ in Straßburg teilnehmen zu können.

Dort habe ich Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt – vorwiegend aus Europa aber auch aus Indonesien und Kolumbien – getroffen und mit ihnen über das Schicksal von Menschen und insbesondere von Kindern auf der Flucht diskutiert. Am Anfang stand die Frage was denn eigentlich unsere Identität ausmacht. Sind es die Nationalstaaten und ihre Grenzen oder vielleicht doch die verschiedenen sozialen Einflüsse die uns prägen und unsere Identität festigen. Nun, ich habe bis heute noch keine Antwort auf diese Frage.
Eines kann ich aber schon sagen, wenn wir von Migration sprechen, reden wir nicht immer von Flucht. Migration hat viele Gesichter, da gibt es natürlich die Flucht vor Krieg, Zerstörung, Krankheit oder Armut als einen Grund, aber auch die Flucht aufgrund der voranschreitenden Umweltzerstörung oder die Arbeitsmigration – die ja teilweise von uns auch noch forciert wird – sind Gründe um sein Land zu verlassen.

Doch noch einmal zurück zur Fluchtursache Umweltzerstörung: Hier wäre es zu einfach, es nur aufzuzählen und dann nichts mehr dazu zu schreiben. Denken wir doch mal gemeinsam über diesen Fluchtgrund nach. Ist es nicht so, dass wir als „westliche“ oder „entwickelte“ Welt eigentlich an der Umweltzerstörung beispielsweise in Afrika schuld sind? Ist es nicht so, dass wir in unserem Wahn immer mehr als genug Rohstoffe oder Lebensmittel haben zu müssen, andere Länder systematisch „ausbluten“ und damit ihre Bodenschätze stehlen, die Felder und Wiesen in unfruchtbare Wüsten verwandeln und weil wir es so schick finden, Möbel aus exotischen Bäumen zu haben, auch noch den Regenwald abholzen? Nun, die Antwort auf diese Fragen muss eigentlich ein Schuldeingeständnis sein, denn ja wir sind Schuld. Ändern können wir das nur, wenn wir endlich beginnen, nicht dauernd im Überfluss zu leben und unsere Bedürfnisse mit regionalen Produkten zu befriedigen.

Apropos Migration: Wenn man über Migration spricht, sollte man sich aber auch mit den Fakten auseinandersetzen. In den heimischen oder europäischen Medien kursiert ja immer das Gerücht, dass wir die meisten Flüchtlinge aufnehmen. Aber keine*r spricht davon, wie das eigentlichen in anderen Regionen dieser Welt aussieht. Keine*r spricht davon, dass Migration etwas ganz Normales ist. Keine*r spricht davon, dass ja auch Menschen unsere Länder und Regionen verlassen. Fakten zum Thema Migration bietet übrigens die Homepage der „International Organization for Migration“. Hier kann man sich ein Bild von der Migrationsbewegung machen und so vielleicht in der einen oder anderen Diskussion gut dagegen halten.

Was aber hat die Studysession mit mir gemacht? Mir hat die Studysession „Children on the Move“ einen neuen Blickwinkel auf das Thema Migration gegeben. So wurde mir wieder bewusst, dass Migration mehr ist, als Flucht. Ich bin aber auch der Meinung, dass wir eine starke IFM-sei brauchen. Denn nur so können wir uns vernetzen und gemeinsam einen Kontrapunkt zu Umweltzerstörung und Krieg setzen. Wir können uns gegenseitig unterstützen und ein Netzwerk für MigrantInnen bilden. Wir können uns mit jenen solidarisch erklären die vor Hunger, Krieg, Krankheit und Umweltzerstörung fliehen müssen. Nein – wir können uns nicht nur solidarisch erklären, wir können sie willkommen heißen und ihnen so die Ankunft in einem komplett fremden Land erleichtern. In diesem Sinne: All different – all equal.

Ein Artikel von Heli Gotthartsleitner

 

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