Zeichnung eines Kindes: Mensch mit Einkaufswagen

2009: Foodmarketing und Ernährungserziehung

Eine explorative Untersuchung bei Eltern 3- bis 14jähriger Kinder in Wien

Der Zugang zum Thema Ernährung hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Es gibt einen starken Trend, sich gesund zu ernähren, man könnte von einem grundlegenden Umdenken der Gesellschaft sprechen. Politik, NGOs, NPOs und Privatkonzerne befassen sich aus unterschiedlichen Gründen mit dem Thema Ernährung.

Wie so oft zeigt sich auch bei diesem Thema, dass Idee und Realität auseinanderklaffen - insbesondere, wenn man sich die teilweise überdeutlichen Unterschiede zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und sozialen Schichten vergegenwärtigt. Mit diesem Bericht haben wir untersucht, welche Unterschiede sich als statistisch signifikant erweisen.
Hauptaugenmerk lag auf den Fernsehgewohnheiten und dem Thema Food-Marketing im Fernsehen. Wir haben die Frage gestellt, inwieweit Eltern bei der Vermittlung von gesundem Essverhalten an ihre Kinder durch (Junk-)Food-Marketing beeinflusst oder gestört werden und ob es hier durch den Migrations- bzw. sozialen Hintergrund bedingte Unterschiede gibt. Hier sind wir von der Hypothese ausgegangen, dass es Unterschiede gibt, die auf die spezifischen sozioökonomischen und familiären Strukturen sowie auf differierende Medienkonsumgewohnheiten zurückzuführen sind.

Kinder aus einkommensschwachen Haushalten sowie Kinder von Eltern mit Migrationshintergund schauen häufiger fern. Darüberhinaus sehen sie überdurchschnittlich oft Fernsehsender, in denen sehr viel Lebensmittelwerbung gezeigt wird. Kinder aus benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen sind damit Werbeeinflüssen viel intensiver ausgesetzt.

Kinder aus sozioökonomisch besser gestellten Verhältnissen sind den Einflüssen von Lebensmittelwerbung weniger stark ausgesetzt, weil das Medium Fernsehen weniger stark genutzt wird. Darüberhinaus wird von ihren Eltern auch angenommen, dass die Kinder durch Werbung weniger stark beeinflussbar sind. Nicht zuletzt aufgrund der höheren Bildung dieser Gruppe ist dieser Zusammenhang durchaus plausibel, wenn auch eine Tendenz zur sozialen Erwünschtheit nicht ganz auszuschließen ist.Die Befragung hat gezeigt, dass Menschen mit benachteiligtem sozioökonomischen Hintergrund bzw mit (vor allem türkischem) Migrationshintergrund vergleichsweise häufig Fertigsuppen und Konserven benutzen. Andererseits wird in Haushalten mit Migrationshintergrund zuhause häufiger gekocht, was eine wichtige Ressource für die Entwicklung von Ernährungsbewußtsein darstellt.Insgesamt zeigt sich eine negative Korrelation zwischen sozioökonomischem Hintergrund und der Verwendungshäufigkeit von Fertiggerichten: Je höher der Status, je höher das Einkommen, umso seltener werden Fertigprodukte verwendet - Ausnahmen stellen Komplettfertiggerichte und Halbfertiggerichte dar, die eher von Personen mit mittlerem und höherem Einkommen und Berufsstatus verwendet werden.
Das Niveau der Ernährungserziehung ist teilweise sehr niedrig: Mehr als ein Viertel der Mütter mit niedrigem beruflichem Status ist der Meinung, dass von den Kindern aufgegessen werden muss, was auf den Teller kommt. Diese Regel gilt auch in Familien mit (vor allem türkischem) Migrationshintergrund sehr häufig. Das alte Bild Suppenkaspar, der bestraft wird, weil er seine Suppe nicht mag, ist immer noch stark vorhanden.
Hinsichtlich der Ernährung der Kinder in der Schule und im Kindergarten fällt auf, dass bei niedrigem beruflichen Status der Eltern sehr viel häufiger Wurst- und Käsesemmeln, Milchschnitten und Limonade konsumiert werden.
Etwa die Hälfte der einkommensschwachen Familien ist der Meinung, dass die Familie sich eigentlich gesünder ernähren sollte. Man würde also gerne gesünderes Essen servieren, offensichtlich gibt es aber Gründe, die sie daran hindern: Hierzu sind sicher ökonomische Aspekte zu zählen, aber wohl auch mangelndes Wissen über Ernährung. Wie der Boom der Sozialmärkte eindrucksvoll zeigt, können viele sich teure Öko-Lebensmittel nicht leisten. Aber eine Reduktion des Fleisch-Anteils (Stichwort Wurstseemmel) hat sowohl ökonomische als auch gesundheitliche Vorteile.
Damit lässt sich zusammenfassen: Die Ausgangshypothese hat sich bestätigt: Eltern fühlen sich bei der Vermittlung von gesundem Essverhalten an ihre Kinder durch Junk-Food-Marketing beeinflusst bzw gestört werden. Insbesondere wenn der sozioökonomische Status niedrig ist, fühlen sie sich auch selbst stark durch das Marketing manipuliert. Es treten verschiedene durch den Migrations- bzw sozialen Hintergrund bedingte Unterschiede auf, insbesondere unterscheiden sich sowohl Medienkonsum- als auch Ernährungsgewohnheiten stark.

(1) Fernsehgewohnheiten: Kinder aus einkommensschwachen Haushalten bzw mit Migrationshintergund schauen häufiger fern - überdurchschnittlich oft Fernsehsender, in denen sehr viel Lebensmittelwerbung gezeigt wird. Kinder aus benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen sind damit Werbeeinflüssen viel intensiver ausgesetzt.

(2) Ernährungsgewohnheiten: Sozioökonomischer Hintergrund und die Verwendungshäufigkeit von Fertiggerichten korrelieren negativ: Je höher der Status, umso seltener werden Fertigprodukte verwendet - Ausnahmen stellen Komplettfertiggerichte und Halbfertiggerichte dar, die eher von Personen mit mittlerem und höherem Einkommen verwendet werden. Menschen mit benachteiligtem sozioökonomischen Hintergrund bzw mit (vor allem türkischem) Migrationshintergrund nutzen vergleichsweise häufig Convenience-Produkte. Andererseits wird in Haushalten mit Migrationshintergrund zuhause häufiger gekocht, was eine wichtige Ressource für die Entwicklung von Ernährungsbewußtsein darstellt. Hinsichtlich der Ernährung der Kinder in der Schule und im Kindergarten fällt auf, dass bei niedrigem beruflichen Status der Eltern sehr viel häufiger Wurst- und Käsesemmeln, Milchschnitten und Limonade konsumiert werden.

(3) Ernährungserziehung: Das Niveau ist teilweise sehr niedrig: Mehr als ein Viertel der Mütter mit niedrigem beruflichem Status ist der Meinung, dass von den Kindern aufgegessen werden muss, was auf den Teller kommt. Diese Regel gilt auch in Familien mit Migrationshintergrund sehr häufig. Das alte Bild Suppenkaspar, der bestraft wird, weil er seine Suppe nicht mag, ist immer noch stark vorhanden.

(4) Ernährung und sozioökonomischer Hintergrund: Etwa die Hälfte der einkommensschwachen Familien würde gerne gesünderes Essen servieren, offensichtlich gibt es aber Gründe, die sie daran hindern: Hierzu sind sicher ökonomische Aspekte zu zählen, aber wohl auch mangelndes Wissen über Ernährung. Wie der Boom der Sozialmärkte eindrucksvoll zeigt, können viele sich teure Öko-Lebensmittel nicht leisten, andererseits hätte eine Reduktion des Fleisch-Anteils (Stichwort Wurstseemmel) sowohl ökonomische als auch gesundheitliche Vorteile.

(5) Konsumentenpolitische Implikationen: Die beschriebenen Zusammenhänge betonen die Wichtigkeit strenger Beschränkungen und Kontrollen des Einsatzes von Lebensmittelwerbung im Kinder- und Jugendprogramm der Fernsehanstalten, angesichts der Fernsehgewohnheiten der Kinder sollten hierbei unbedingt auch türkische und exjugoslawische Fernsehsender berücksichtigt werden.

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