Abbildungen von Personen, die Berufe ausüben, © istockphoto

2010: Berufswechsel nach der Lehre

Projektdurchführung: Winfried Moser, Marcel Bilgili
Fertigstellung: März 2010
AuftraggeberIn: bmask 

In Österreich gibt es etwa 250 Lehrberufe, die AMS-Berufssystematik verzeichnet über 1.600 Berufe und etwa 12.000 Berufsbezeichnungen. Unser Arbeitsmarkt unterliegt einem stetigen Wandel. Berufe verschwinden, ändern sich und kommen neu hinzu. Photovoltaik, Nanotechnologie oder das Internet sind nur einige wenige Beispiele für Bereiche, in denen Menschen neue Berufe gefunden haben. Ein Zeitungslayout zu entwerfen ist heute eine vollkommen andere Tätigkeit als noch in den 80er Jahren. In diesem sich verändernden Feld den richtigen Beruf für sich zu finden, kann schwierig sein.

Der Übergang vom Bildungssystem auf den Arbeitsmarkt ist Teil eines längerfristigen Lernprozesses, der mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mit Fehlentscheidungen verknüpft ist. Er ist möglicherweise mit besonderen Risiken verbunden, denn eine falsche Entscheidung könnte in die Arbeitslosigkeit, zu einer Niedriglohnbeschäftigung oder in ein prekäres Beschäftigungsverhältnis führen – und damit langfristig zu Desintegration aus dem Arbeitsmarkt und sozialer Exklusion.
Ganz besonders gilt das für Menschen, die – selbst gewählt oder aufgrund der normativen Kraft ihres familiären Hintergrundes – eine Lehrausbildung anstreben, weil ihre Entscheidung über die berufliche Richtung meist besonders früh fällt oder fallen muss. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, aufgrund welcher Kriterien die erste Berufswahl erfolgt, wie oft, warum und mit welchen Konsequenzen der erste Lehrberuf wieder verlassen wird und ob die, im Zuge der Lehre erworbenen Kenntnisse im neuen Beruf eingesetzt werden können.

Mit diesem Wissen können wir die Frage beantworten, wie ein Berufswechsel nach dem Lehrabschluss zu bewerten ist. Ist er als problematisch einzustufen, weil er dem Prinzip der beruflichen Bildung widerspricht, oder handelt es sich nur um ein harmloses, unvermeidliches, oder sogar positiv zu beurteilendes Phänomen in einem sich verändernden Arbeitsmarkt? Zu diesem Thema gibt es in Österreich bislang keine quantitativen Erhebungen, Kenntnisse darüber können jedoch dabei helfen, die Funktionsfähigkeit unseres dualen Ausbildungssystems zu beurteilen.

Ausgehend davon wurden im Rahmen der hier vorliegenden Studie 511 Personen im Alter von 19- bis 24 Jahren mit abgeschlossener Lehrausbildung befragt, von denen 121 zum Zeitpunkt der Erhebung Beschäftigungen nachgegangen sind, die – nach eigenen Angaben – nicht der ersten Lehrausbildung entsprachen. Die RespondentInnen wurden anhand der Merkmale Alter, Geschlecht, Geburtsland und Staatsbürgerschaft auf die 203.000 Personen hochgerechnet, die der Mikrozensus-Jahresdatensatz für das Jahr 2008 ausweist. Im Zentrum der Untersuchung standen Fragen über die Gründe für die erste Berufswahl sowie über Zufriedenheit und Erfolg im aktuell ausgeübten Beruf. BerufswechslerInnen wurden zu den Gründen und Konsequenzen des Wechsels befragt, zusätzlich wurde bei 222 Personen mit abgebrochener Lehre das Interesse an einer nachträglichen Qualifizierung erhoben – bei diesen ist eine Hochrechnung jedoch unterblieben, weil entsprechende Informationen aus der Grundgesamtheit nicht vorliegen. 

AMS Info 163, 2011

Newsletter des AMS-Forschungsnetzwerks Nr. 40, 11. Oktober 2010

IBW-Newsletter 6/2010

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