Kinder lernen gemeinsam im Klassenzimmer, © istockphoto, Bonnie Jacobs

2010: Interkulturalität und Mehrsprachigkeit - Eine Chance

Projektdurchführung: Caterina Hannes, Stephanie Klamert
Fertigstellung: August 2010
AuftraggeberIn: bmukk

Die quantitative Befragung von ProjektleiterInnen der Schulaktion

Mit der Teilnahme an der Schulaktion „Interkulturalität und Mehrsprachigkeit – eine Chance“ setzten sich beinahe alle LehrerInnen zum Ziel, den Austausch zwischen Kindern aus verschiedenen Kulturen und das Verständnis und die Akzeptanz anderer Kulturen zu fördern sowie die sozialen Kompetenzen und das Selbstwertgefühl der SchülerInnen zu stärken. Der Umgang mit Vielfalt und Fremdheit und die Stärkung der Klassen- und Schulgemeinschaft gehörten ebenso zu den Erwartungen der LehrerInnen.Das Klassenklima hat sich durch die Projektteilnahme in allen abgefragten Bereichen verbessert, es wurde offener, interessierter, respektvoller und hilfsbereiter. Die SchülerInnen interessieren sich stärker für andere Kulturen und Sprachen, sehen Mehrsprachigkeit als Chance, und Kinder unterschiedlicher Herkunft gehen besser miteinander um. Interkulturalität und Mehrsprachigkeit ist nicht nur innerhalb des Projekts ein Thema, die SchülerInnen wollen sich häufig auch im weiteren Unterricht damit auseinander setzen. So geben fast alle LehrerInnen an, dass das Projekt Anstoß zu einer weiteren Auseinandersetzung mit diesem Thema innerhalb des Unterrichts ist. Beinahe ebenso viele planen bereits weitere Projekte zu Interkulturalität und Mehrsprachigkeit, die zu drei Viertel innerhalb der Schulaktion stattfinden sollen. Persönlich besonders beeindruckend war für die LehrerInnen und SchülerInnen der kulturelle Austausch. Gemeinsam Kochen, Essen, Tanzen, Bräuche kennen zu lernen war besonders für die Kinder ein herausragendes Erlebnis, weil sie auf diese Weise etwas von zu Hause an ihre MitschülerInnen weitergeben konnten und sich von ihnen anerkannt, respektiert und wertgeschätzt fühlten.

 Interkulturelle Kompetenz assoziieren die meisten LehrerInnen mit Wertschätzung und Respekt, kollektivem Handeln und Teilen sowie mit Offenheit und Auseinandersetzung mit dem Thema Kultur. Drei von vier der befragten Schulen haben ausgebildete LehrerInnen für Deutsch als Zweitsprache und jeweils die Hälfte für den muttersprachlichen Unterricht und für interkulturelles Lernen. Bei dem Projekt mit eingebunden war der Großteil dieser ausgebildeten LehrerInnen, ebenso wie die Schulleitung, von ihnen waren drei Viertel am Projekt beteiligt. Die Reaktion des restlichen Lehrkörpers auf die Projektteilnahme war in den meisten Fällen sehr gut, lediglich bei einem Fünftel war sie mittelmäßig. Die Betreuung von KulturKontakt-Austria war für etwas mehr als die Hälfte sehr zufriedenstellend. Von vielen LehrerInnen wurde die Betreuung als „weder noch“ eingestuft (26 Prozent für die Betreuung während der Konzepterstellung, 40 Prozent während der Projektdurchführung). Dies lag meist an der selbstständigen Arbeit der LehrerInnen ohne Austausch mit KulturKontakt-Austria.Ein Drittel und damit der Großteil der LehrerInnen wurden auf die Schulaktion über einen Erlass an die Schulen aufmerksam und ein Fünftel über einen Newsletter. Die Hälfte der Projekte wurden fächerübergreifend durchgeführt, in der Volksschule am häufigsten im Gesamtunterricht, Deutsch, Sachunterricht und Zeichnen, in den restlichen Schultypen in Deutsch, Kunst, Bildende Kunst und Zeichnen sowie Geschichte.Die befragten LehrerInnen waren überwiegend weiblich (86 Prozent) und sprechen meist Deutsch als Erstsprache (90 Prozent). Als Zweitsprache geben der Großteil Englisch (84 Prozent) an, weit weniger BKS (20 Prozent) und Französisch (14 Prozent). Jeder zweite hat bereits eine Weiterbildung zu Interkulturalität und Mehrsprachigkeit absolviert, von jenen die keine haben, hätten drei Viertel Interesse daran. 

Fokusgruppendiskussionen und LehrerInnen-Interviews

In Rahmen der qualitativen Untersuchung zeigte sich, dass die Durchführung der Projekte auch von der Mehrheit der SchülerInnen sehr positiv erlebt wurde. SchülerInnen in Klassen mit ausgeprägter kultureller Vielfalt, zeigen sich besonders offen anderen Kulturen gegenüber. Durch die Projekte konnte in diesen Klassen eine Verbesserung des Klassenklimas erzielt werden, indem den Kindern und Jugendlichen in Bezug auf ihre eigene Herkuft, und die Herkunft ihrer MitschülerInnen Wissen und Anerkennung vermittelt wurde. Gleichzeitig wurden Schwierigkeiten aufgedeckt und bearbeitet (zB Kommunikationsschwierigkeiten, Ausgrenzung, Konfliktpotenziale).In Klassen mit geringer kultureller Vielfalt berichteten die SchülerInnen häufig von Berührungsängsten und Vorurteilen gegenüber Personen mit anderen kulturellen oder sprachlichen Hintergründen. Projekte in denen Bezugspunkte zu Lebenssituationen dieser Personengruppen hergestellt wurden, führten bei den SchülerInnen in der Regel zu mehr Verständnis und Empathie. Besonders Jüngere sollten bei einem persönlichen Kontakt jedoch ausreichend begleitet werden, da dies bei ihnen sonst zu Überforderung führen kann.Die Wissensvermittlung über verschiedene Länder, Kulturen und Sprachen wird von SchülerInnen aus Klassen mit vielen Kindern aus Zuwandererfamilien (MigrantInnen) besonders geschätzt, da der praktische Nutzen dieser Themen für sie direkt erlebbar ist. Ein theoretisches Bewusstsein über die Notwendigkeit und Chancen interkulturellen Lernens, zeigt sich jedoch besonders bei SchülerInnen ohne Migrationshintergrund. Sie kommunizieren zB häufig Themen wie: Fremdsprachen sind für spätere Jobchancen wichtig, Vorurteile sind falsch, etcIn diesem Kontext erscheint es sinnvoll, bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein stärkeres theoretisches Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Chancen sich durch interkulturelle Kompetenzen (Fremdsprachen etc) für sie selbst und andere eröffnen.

 Für Kinder ohne Migrationshintergrund hingegen sollte verstärkt der praktische Nutzen interkultureller Kompetenzen erlebbar gemacht werden. In den Projekten wurde besonders versucht, SchülerInnen ohne Migrationshintergrund zu vermitteln, dass es wichtig ist, fremden Kulturen gegenüber offen und tolerant zu sein. Es scheint jedoch sinnvoll, sich bewusst das Ziel zu setzen, diese Werte allen Kindern und Jugendlichen (und ihren Familien) näher zu bringen.Eine direkte Teilnahme der Eltern an den Projekten fand nur in den Volksschulen und der KMS statt, in den Oberstufenklassen war dies von den ProjektleiterInnen nicht angedacht. Durch muttersprachliche Einladungen und persönliche Telefonate gelang es einer Projektleiterin besonders gut, Eltern mit Migrationshintergrund zu einer Mitwirkung zu bewegen. In einem Fall wurden die Eltern über die SchülerInnen in das Projekt miteinbezogen. Die Recherche der Schülerinnen über die Lebensgeschichten ihrer Mütter führte auch bei den Müttern zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Projektinhalten. Es deutet sich an, dass eine erfolgreiche Einbindung der Eltern weniger in Zusammenhang mit dem kulturellen Hintergrund der Eltern steht, sondern stärker mit dem Engagement der Lehrkräfte und dem Alter der SchülerInnen.Die ProjektleiterInnen zeigen sich mit der Betreuung und Beratung durch KulturKontakt durchwegs zufrieden. KulturKontakt als Ideen- und Impulsgeber sowie die unkomplizierte Abwicklung einzelner Arbeitsschritte wurden besonders positiv hervorgehoben. Bei unerfahrenen ProjektleiterInnen besteht jedoch eine gewisse Unsicherheit, sich bei Fragen und Problemen an KulturKontakt zu wenden.

Hier die Studie zum Download

Hier finden Sie Verweise auf die Studie Interkulturalität und Mehrsprachigkeit- eine Chance!:

Podiumsdiskussion des bm:ukk, 29. September 2010

Parlamentarische Anfragebeantwortung von BM Claudia Schmied, 15. Juni 2010

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