2 Kinder vor einem Transparent mit der Aufschrift "Kinder haben Rechte"

Feedback Kinderrechte

Durch “FEEDBACK” kommen Kinder und Jugendliche im ergänzenden Kinderrechte-Bericht an die Vereinten Nationen erstmals selbst zu Wort: Bei einer Postkarten-Befragung (1.800) verliehen sie ihrer Freude und ihrem Ärger mit ihrem Lebensalltag Ausdruck, bei einer Online-Befragung (550) konnten sie ihre Meinung zu kinderrechtsrelevanten Themen kundtun und sich zudem bei einer Reihe von Kinderrechte-Projekten österreichweit direkt beteiligen.

Das wichtigste Ergebnis: Die Kinderrechte sind zuwenig bekannt. Nicht einmal zwei Drittel der 12- bis 19jährigen kennen diesen Begriff. Kinderrechte, die keiner kennt, können nicht wirksam sein! Eine besseren Vermittlung der Konvention in den Schulen - und der Möglichkeiten, zu seinem Recht zu kommen - muss darum einen hohen Stellenwert haben.

Ein zentrales Thema war Gewalt und Streit: Auf fast jeder zweiten Postkarte wurde es als wichtigstes Ärgernis genannt; bei der Online-Befragung berichtet jede/r fünfte Jugendliche von Gewalt in der eigenen Familie und die Hälfte von Gewalt unter Gleichaltrigen. Besonders problematisch: Gerade jene, die Gewalt erleben, wissen häufig wenig über unterstützende Strukturen. Auf diese Weise bleibt Gewalt versteckt. Darum ist sensibilisierende Weiterbildung von Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, so wichtig. Ebenfalls zu diesem Thema gehören die Ergebnisse eines Projektes (Peer to Peer, ECPAT), in dem Jugendliche direkt mit Opfern von Kinderhandel zusammenarbeiteten: Bei der Betreuung der Opfer mangelt es an kinderrechtlichen Standards, es fehlt muttersprachliche und psychologische Betreuung, um die Opfer besser unterstützen zu können.

Ein wichtiger Lebensbereich ist die Schule, wo anhand der Antworten der Kinder und Jugendlichen vier Problembereiche zu identifizieren sind: Erstens spielen partizipative Mechanismen in der Schule eine sehr geringe Rolle, die Jugendlichen werden von den Lehrer/innen nicht ernst genommen, zweitens ist jede/r Dritte mit den Zustand des Schulgebäudes unzufrieden und drittens beklagt jede/r Vierte, dass die Schule zuwenig Wissen über spätere berufliche Möglichkeiten vermittelt. Der vierte Problembereich lässt sich nur indirekt erschließen: Jugendliche mit Migrationshintergrund sind von all diesen Schwierigkeiten viel stärker betroffen.

Überhaupt in einer schulischen Sondersituation sind jugendliche Asylwerber/innen: Obwohl Schule und Ausbildung für beide Gruppen einen sehr hohen Stellenwert haben, bleiben sie aufgrund rechtlicher Bestimmungen (im Fall der Asylwerber/innen) und eines unzureichenden schulischen Angebotes (im Fall der Migrant/innen) von der weiterführenden Bildung bzw. dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen.

Schule hat - neben der Bildung der Schüler/innen, der Ausstellung von Zeugnissen - auch eine sozial integrative Funktion. Die Feedback-Ergebnisse zeigen, dass diese Funktion stark vernachlässigt wird. In der Schule spiegelt und reproduziert sich die Ungleichheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung, die auch vielen weiteren Teilbereichen der Befragung sichtbar wurde: Kinder aus Zuwandererfamilien und Kinder aus armen Familien können sich Freizeit, so wie sie ein “Durchschnittskind” erlebt, sehr oft nicht leisten, leben häufiger in Wohnumgebungen, die von Lärm und Gestank geprägt sind, häufiger in zu kleinen Wohnungen, fühlen sich häufiger nicht gesund, haben häufiger das Gefühl, das zuhause nicht auf ihre Gesundheit geachtet wird oder dass die Bezahlung ihrer Behandlung für die Eltern ein Problem ist.

Fazit
Ein höherer Stellenwert für partizipative Prozesse, Städte und Gemeinden, die so kinder- und nicht autofreundlich gestaltet werden; Investitionen in die öffentliche Infrastruktur benachteiligter Stadtviertel und ländlicher Gegenden - vor allem in die Schulen; eine Gesamtschule, an der Kinder und Jugendliche mitgestalten können, ein weiterführendes Bildungssystem, das auch für jugendliche Asylwerber/innen offen steht, Institutionen, die Jugendliche bei Kinderrechteverletzungen, Gewalt und Diskriminierung rechtlich und emotional unterstützen - das alles ist nötig, um die Kinderrechte weiter voranzubringen. Vor allem aber ist es wichtig, unter den Kindern weiter bekannt zu machen, dass es sie überhaupt gibt! Denn Kinderrechte, die keiner kennt, können nicht wirken.

Druckansicht
 


Österreichisches Institut für Kinderrechte und Elternbildung
Ballgasse 2 · 1010 Wien
01/512 12 98 - 51 ·

© 2015 Kinderfreunde. All rights reserved.