Partizipative Forschung mit Zwölf- bis Neunzehnjährigen

eine Analyse englischsprachiger Fachartikel

Partizipative Forschung ist nicht neu. Ihre Wurzeln liegen in den Arbeiten von Paulo Freire Ende der 60er-Jahre, sowie in den anglo-amerikanischen action-research-Ansätze von Kurt Lewin der 70er Jahre. Breitere Anwendung fand sie bisher in der feministischen Forschung, im Zusammenhang der Entwicklungszusammenarbeit, in der Unterrichtsforschung (aus LehrerInnenperspektive), sowie - in den letzten Jahren - in den Disability Studies. Ziel Partizipativer Forschungsansätze ist es, durch die Einbeziehung Betroffener die Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen zu verbessern, sowie marginalisierte Bevölkerungsgruppen ohne öffentliche Präsenz dabei zu unterstützen, ihre Meinung kund zu tun und ihrer Stimme Gewicht zu verleihen. (Buchner/König 2011; Flieger 2003; Goeke/Terfloth 2006)

Bei einer Umfrage von Altrichter und Gstettner aus dem Jahr 1993 stellte sich heraus, dass das Konzept der Aktions- und Handlungsforschung aus der deutschsprachigen wissenschaftlichen Debatte verschwunden war (Flieger 2003). Mittlerweile gibt es im Jugendbereich wieder eine Reihe von Projekten, die sich an der Schnittstelle Partizipative Forschung und Sozialpädagogik/Sozialarbeit oder Schule bewegen (vgl.http://www.partizipation.at/kinder_und_jugend.html). Ein Metadiskurs über forschungsmethodische Herangehensweisen, Herausforderungen und deren Lösungen, sowie über Aspekte, die bei der Gestaltung eines partizipativen Forschungssettings beachtet werden sollten, oder über die erforderlichen Kompetenzen der wissenschaftlich ausgebildeten ForschungsteilnehmerInnen fehlt im deutschsprachigen Raum bisher.

Da dieser Diskurs im englischsprachigen Raum ausgeprägter ist, beschäftigt sich das IKEB im Rahmen einer Literaturanalyse ausgewählter, wissenschaftlicher, englischsprachiger Veröffentlichungen mit den darin geführten Auseinandersetzungen. Im Rahmen der Studie wird den Fragen nachgegangen:

  • unter welchen Voraussetzungen,
  • mit welchen forschungsmethodischen und didaktischen Mitteln sowie
  • in welchem Ausmaß an zeitlichen und personellen Ressourcen die Umsetzung von partizipativen

Forschungsprojekten mit Jugendlichen im Alter von zwölf bis neunzehn Jahren als ForschungsteilnehmerInnen im Rahmen qualitativer Forschungssettings denkbar ist.

Partizipative Projekte im Allgemeinen können auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sein und von reiner Informationsweitergabe an die Betroffenen bis zu einforderbaren Mitbestimmungsrechten alle Facetten aufweisen. Ähnlich verhält es sich mit der partizipativen Forschung. Bob Dick (1997) benennt folgende Dimensionen partizipativer Forschungsansätze:

  1. Betroffene als InterviewpartnerInnen, die über einen Sachverhalt Auskunft geben
  2. Interpretation, Analyse und Kommentierung der Ergebnisse in begleitenden Forschungsgruppen
  3. Planen von Veränderungen, die auf Anregungen aus dem Forschungsprojekt beruhen
  4. Umsetzen der Veränderungen
  5. Unterstützung bei der Datengewinnung, in dem z.B. Interviews von betroffenen (Co)ForscherInnen selbst durchgeführt werden
  6. Mitgestaltung des Forschungsprozesses als ForscherInnen oder Co-ForscherInnen
  7. TeilnehmerInnen werden über den Stand des Forschungsprojekts, den Forschungsprozess und seine Konsequenzen informiert (z.B. in  Informationsveranstaltungen) (vgl. Flieger 2003)

Die Literaturstudie konzentriert sich auf die Punkte 2, 5 und 6, da dies jene Bereiche sind, die für die Frage der konkreten forschungsmethodischen Ausgestaltung partizipativer Forschungsprojekte relevant sind. Zudem erfolgt eine Fokussierung auf den Altersbereich der Zwölf- bis Neunzehnjährigen.

Projektdurchführung: Marion Hackl
Auftraggeber: BMFJ - Referat I/5a - Kompetenzzentrum Jugend

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