Vater mit Kind und Gitarre

2004: Individuelle Machbarkeit aktiver Vaterschaft

Eine Befragung von Vätern über das erste Lebensjahr ihres Kindes

Ein Drittel aller Väter will gerne in Karenz gehen, aber nur etwas mehr als 2 Prozent
verwirklichen diesen Wunsch. Zwei Drittel der jungen Männer definieren sich primär
als Erzieher (Zulehner, 2003), sie bemühen sich um eine tiefe emotionale Beziehung
zu ihrem Kind und wollen es auch fürsorglich betreuen. Das reale Engagement der
Väter entspricht bei weitem nicht ihren in Studien artikulierten Bedürfnissen. Es gibt
quantitative Erhebungen zum Themenkreis Männlichkeit und Vaterschaft, aber keine
qualitative Ursachenforschung. Unsere mittels Tiefeninterviews angelegte Befragung
versuchte herauszufinden, wieso Wunsch und Wirklichkeit des väterlichen
Engagements so stark auseinander klaffen.

Es wurde bei der Befragung vor allem auf die individuelle Machbarkeit von aktiver
Vaterschaft fokussiert. Folgende Themenbereiche wurden erhoben: Die Beziehung
zum Kind, die Beziehung zur Frau, die Reflexion des eigenen Vater- und
Männlichkeitsbildes, sowie die Beziehung zur Herkunftsfamilie mit besonderer
Berücksichtigung des Vaters. Wir versuchten herauszufinden, auf welche
förderlichen und hemmenden Faktoren Väter im ersten Lebensjahr ihres Kindes in
Beruf, Partnerschaft, Gesellschaft und in ihrem Bewusstsein gestoßen sind.

Befragt wurden Väter mit einjährigen Kindern, um den Übergang zur Vaterschaft und
die damit verbundenen Einstellungs- und Verhaltensänderung herauszufiltern. In der
Familienforschung werden Übergangsphasen als Zeiten der Risiken und Chancen
betrachtet, denn diese beinhalten individuelle, familiäre und kontextuelle
Veränderungen zur Anpassung an die neue Situation. Die Väter erzählten in den
Interviews wie sie die Geburt, das erste Monat und die weitere Entwicklung ihres
Kindes erlebt haben und welche Auswirkung diese Erlebnisse auf ihre zukünftige
Lebensplanung haben.

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

  • Väter verbringen viel mehr Zeit mit ihren Kindern als ihre Väter mit ihnen. Sie sind bei der Geburt dabei und versorgen von Anfang an aktiv ihre Kinder und lassen sich voll auf eine intensive Beziehung zum Kind ein.
  • Väter sind nach wie vor sehr erwerbsorientiert, aber sie sind bereit ihre Frauen zu unterstützen, damit diese den Anschluss im Beruf nicht verlieren. Kinder werden genau geplant und die Betreuung so gut es geht partnerschaftlich aufgeteilt.
  • Die Beziehung zwischen den Eltern verändert sich stark im ersten Lebensjahr. Alles dreht sich um das Kind, es bleibt kaum Zeit für die Paarbeziehung und kaum Zeit zum Rückzug zur eigenen Regeneration.
  • Aktive Vaterschaft basiert auf den Erfahrungen aus der eigenen Kindheit und der Reflexion darüber. Unterstützende Faktoren sind eine gute Beziehung zum Vater, Solidarität mit der Mutter, sowie Erfahrungen mit jüngeren Geschwistern.

Studie zum Download>>> (pdf 271 KB)

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