Kinder traurig dreinblickend im Halbkreis

2005: Lückekinder

Die „schwierigen“ Kinder, die keine Kinder mehr sein wollen

Eine qualitative Studie über 12- bis 15-Jährige und die Kinder- und Jugendarbeit mit dieser Zielgruppe

Kinder im Alter von 12-15 Jahren finden oft keinen Platz in den bestehenden Kinder- und Jugendorganisationen und ihren Angeboten. Sie befinden sich im Übergang vom ‚Kind-sein’ zum ‚Jugendlich-sein’: Das bedeutet, einerseits unterfordern sie die Angebote für Kinder, gleichzeitig sind sie andererseits mit dem Angebot für Jugendliche aber noch überfordert.
Diese Angebotslücke führt dazu, dass gerade in diesem Alter junge Menschen keine entsprechenden Angebote vorfinden und dadurch die Organisationen verlassen. Das heißt somit auch, dass es diesen an Nachwuchs für BetreuerInnenfunktionen fehlt, die am ehesten aus der eigenen Kinder- und Jugendarbeit gewonnen werden können.
Es stellt sich nun die Frage, welche Veränderungen in der Jugendarbeit vorgenommen werden müssen, um auf diese Bedürfnisse reagieren zu können.

Die ‚Lückekinder’-Studie rollt diese Aufgabenstellung nun von drei Seiten auf. Eine Literaturrecherche im Bereich der Entwicklungspsychologie und der Jugendstudien, schafft einen Verständnisrahmen für das Phänomen ‚Lückekind’. Zur Steigerung der Effizienz der Studie wurde mit Hilfe eines Fragebogens mit sechs bekannten Jugendorganisationen im In- und Ausland Kontakt aufgenommen. Schließlich kamen auch die ‚Lückekinder’ selbst zu Wort. In sechs Gruppendiskussionen diskutierten insgesamt 20 junge Menschen im Alter von 12-15 Jahren über ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ideen zum Thema Jugendorganisation.

Junge Menschen im Alter von 12-15 Jahren befinden sich in einer spannenden Entwicklungsphase auf dem Weg vom Kind zur/m Jugendlichen. Diese Zeit ist geprägt durch die Abgrenzung von Autorität, der Orientierung an ‚Peers’ (Gleichaltrigen) und dem Wunsch nach Mitbestimmung und Eigenständigkeit. Es entwickeln sich Interessen über die eigene Lebenswelt hinaus, langsam wird inhaltliche und pädagogische Arbeit in der Freizeit denkbar und interessant. Bei Mädchen passiert dieser Entwicklungsschritt im Allgemeinen etwas früher als bei Burschen.
Dieses Alter bietet eine Fülle von Unsicherheiten; Lückekinder sind oft auch auf der Suche nach erwachsenen Bezugspersonen, neben den Eltern und Lehrpersonen. Dies können BetreuerInnen und GruppenleiterInnen in Jugendorganisationen sein. Sie wünschen sich einen vertrauensvollen Umgang und erwarten sich Unterstützung auch in persönlichen Anliegen. Dafür sollten die BetreuerInnen offen und vorurteilsfrei auf die Lückekinder zugehen, sie in ihren Sorgen und Problemen ernst nehmen und auf ihre Ideen und Wünsche eingehen. Sie sollten Grenzen bieten, allerdings ohne dabei streng und unflexibel zu sein. Vom Angebot erwarten sich die 12- bis 15-Jährigen, dass sie ein Recht auf Mitbestimmung und Einflussnahme auf die Aktivitäten haben, dass ihre Meinung gehört und auf ihre Ideen eingegangen wird.
In Jugendorganisationen sollte die Konzentration somit auf altersgerechten Angeboten liegen, die die ‚Lückekinder’ an die Übernahme von Verantwortung und Engagement heranführen. Wesentlich dabei ist eine transparente und durchlässige Struktur in der die gesamte Kinder- und Jugendgruppenarbeit eingebettet ist. Dafür ist die direkte und konkrete Kommunikation, Information und Aufklärung auf allen Ebenen einer Organisation notwendig.

Hier gibt’s die Studie zum Download:
Download der Studie: Lückekinder Kurzfassung (pdf 58 KB)
Download der Studie: Lückekinder Vollversion (pdf 519 KB)

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