Vater mit 3 Kindern

2006: Integration von Kindern mit geistiger Behinderung

Eine Untersuchung der Lebenssituation von Kindern mit geistiger Behinderung

Im Auftrag des BM für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz untersuchte das Institut für Kinderrechte & Elternbildung die Lebenssituation von Kindern mit geistiger Behinderung. Der Fokus der Untersuchung ist auf den sozialräumlichen Kontext gerichtet, in dem geistig behinderte Kinder und deren Familien leben und geht in fünf Fallbeispielen der Frage nach, wie sich der alltägliche Erfahrungshorizont geistig behinderter Kinder und ihrer Familien im Wohnumfeld darstellt, ob sie Diskriminierungserfahrungen ausgesetzt sind, welche entlastenden Faktoren es gibt, welche Bedingungen für eine gelungene Integration festgestellt werden können und was verbessert werden kann. Für den methodischen Zugang wurde eine qualitative Herangehensweise gewählt. Mittels teilnehmender Beobachtung wurden ausgewählte Aktivitäten der Familien begleitet und dokumentiert. Durch insgesamt zehn qualitative, problemzentrierte Interviews mit den Eltern und ExpertInnen wurde die Untersuchung ergänzt und abgerundet.
Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Reaktionen aus dem sozialräumlichen Umfeld bilden ein breites Spektrum zwischen positivem und negativem Verhalten ab. Die Familien sind im Sozialraum ständiger Beobachtung ausgesetzt, im schlimmsten Fall durch ununterbrochenes oder wiederholtes Anstarren. Dieser Umstand ist eine große Belastung für die betroffenen Familien und trägt zur Unsicherheit und in der Folge zu einer
  • latenten Meidung des sozialräumlichen Umfelds bei. Die Meidung des Sozialraums konnte durch die Beobachtungen und anschließenden Interviews auch eindeutig mit der Behinderung des Kindes in Zusammenhang gebracht werden. Indirekt konnte dieser Umstand auch aus der Tatsache erschlossen werden, dass es im Vorfeld der Beobachtungen bei diesen Familien sehr schwierig war, Beobachtungssituationen im Sozialraum zu vereinbaren, da außer Einkauf und Arztbesuch die Freizeitgestaltung zum Großteil in der eigenen Wohnung passiert.
  • Weitere Gründe für diese Meidung werden auch mit dem erhöhten Organisationsaufwand, finanziellen Gründen und der großen Anstrengung, die gewisse Aktivitäten mit sich bringen erklärt. ExpertInnen, die sich im Feld der unterstützenden Beratung von betroffenen Familien bewegen, fordern aus diesen Gründen konkrete Hilfestellung in der Informationsbeschaffung über Angebote, die für diese Familien geeignet sind und genutzt werden können.
  • ExpertInnen und Familien beklagen, dass konkrete und kostenlose Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen nicht in ausreichender Form vorhanden sind und dort, wo vorhanden, nicht entsprechend beworben werden.
  • Die Eltern leiden an einem gravierenden Informationsdefizit und haben ein großes Bedürfnis nach mehr Unterstützung, sowohl im Sinne von Betreuung als auch in beratender und finanzieller Hinsicht.

Hier gibt’s die Studie zum Download:

Die Studie zum Download (pdf 213 KB)
Die Zusammenfassung der Studie zum Download (pdf 209 KB)

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