junges Mädchen in Nahaufnahme

2007: Sinnsuche von Kindern in der multikulturellen Gesellschaft

Eine Untersuchung in der Stadt und im Land Salzburg

Sinnsuche von Kindern in der multikulturellen Gesellschaft – Lebensweltliche Erkundungen und pädagogische Konsequenzen
Mit Unterstützung vom Land Salzburg führte das Institut für Kinderrechte & Elternbildung das wissenschaftliche Projekt „Sinnsuche von Kindern in der multikulturellen Gesellschaft – lebensweltliche Erkundungen und pädagogische Konsequenzen“ in der Stadt und im Land Salzburg durch.

Ziel des Projekts war es, näher zu untersuchen, wie sich Kinder mit der Welt auseinandersetzen, welche Vorstellungen sie konkret von sich und ihrem Leben haben, welche Sinnentwürfe sie entwickeln, welche Einstellungen sie zu anderen Kindern haben und von welchen Werten sie sich bei ihrem sozialen Handeln leiten lassen.
Einige Ergebnisse im Überblick:

  • Das Alltagsleben einer großen Mehrheit der Kinder ist von religiösen Deutungsmustern christlicher Art bestimmt. Eine breite Wissensvermittlung über alle Religionen wäre notwendig, um Vorurteile gegenüber „fremden“ Religionen abzubauen.
  • Universalistische Orientierungen haben großen Stellenwert, wenn es um Freundschaft geht – Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und miteinander Spaß haben sind die wichtigsten Kriterien.
  • Bereits in der Volksschule, die weitgehend ungehinderte Begegnungen aller sozialen, ethnischen und religiösen Milieus ermöglicht, gibt es bedeutsame innerethnische und wahrscheinlich auch innerreligiöse Abschottungs- sowie Einschließungstendenzen. Das ist ein kritischer Punkt, der der besonderen pädagogischen Aufmerksamkeit und Bearbeitung im Rahmen der Ganztagsbildung bedarf.
  • Die Vorstellungen der Kinder, was nach dem Tod passiert, sind durchaus unterschiedlich. Römisch-katholische Kinder glauben, dass die Verstorbenen zu Gott kommen und wieder auf der Welt geboren werden. Muslimische Kinder meinen, dass Menschen nach dem Tod in den Himmel kommen, sie geben aber auch öfter an, nicht zu wissen, was nach dem Tod passiert. Auch SchülerInnen ohne Bekenntnis glauben, dass Verstorbene in den Himmel kommen, was zeigt, wie sehr solche Auffassungen in den Alltagskulturen moderner Gesellschaften verankert sind.
  • Römisch-katholische Mädchen und Buben sehen in ihrer Gottesvorstellung vor allem einen barmherzigen Gott, im Gegensatz dazu beschreiben muslimische Kinder eine kontrollierend-strafende Gottesvorstellung. Bei serbisch-orthodoxen SchülerInnen sowie Kindern anderer Religionen ist sowohl ein barmherziges wie auch ein kontrollierend-strafendes Gottesverständnis zu beobachten.
  • Knapp die Hälfte der befragten Kinder (48,8%) zählt zu den Integrativ-Kooperativen. Diese Kinder zeichnen sich durch eine geringe egoistische Weltsicht wie auch durch geringe Gewaltbereitschaft in Konfliktsituationen aus. Sie weisen eine hohe demokratisch-ausgleichende Weltsicht auf und sind in Konflikten ausgeprägt kooperationsbereit.
  • Zu den Autoritätsgläubigen zählen 35,5% der Kinder. Sie zeichnen sich durch eine hohe egoistische wie aber auch kooperative Weltsicht und eine hohe Autoritätsgläubigkeit aus.
  • Eine hohe egoistische Weltsicht wie auch eine erhöhte Gewaltbereitschaft in Konfliktsituationen zeigen sich in der Gruppe der Egoistisch-Gewaltbereiten (15,7%). Demokratische Einstellungen sowie kooperatives Verhalten sind gering ausgeprägt. Ebenso ist nur eine geringe Autoritätsgläubigkeit zu beobachten.

Studie (Kurzfassung) zum Download (pdf 225 KB)
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