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Die Jahre im Untergrund

Bei den auf die Februarkämpfe folgenden Prozessen wurde die Falkentätigkeit vom austrofaschistischen Regime als "staatsfeindlich" eingestuft. Das Verbot der Sozialdemokratischen Partei 1934 hatte auch das Verbot aller ihr angehörenden Organisationen, darunter auch die Kinderfreunde und die Roten Falken, zur Folge.

Einige Gruppen bestanden trotz des Verbots im Untergrund weiter. Es gab Flugzettelaktionen und an die Wände gemalte Parolen wie "wir kommen wieder!" Ab dem Sommer 1934 schlossen sich Mitglieder der SAJ (Sozialistische Arbeiterjugend), der Roten Falken und der FGJ (Freie Gewerkschaftsjugend) zur "Revolutionären Sozialistischen Jugend" zusammen, andere wechselten zu den Kommunisten, ältere Mitglieder der Roten Falken schlossen sich den Revolutionären Sozialisten an. Diejenigen Falkenführer, die sich dem KJV, dem Kommunistischen Jugendverband angeschlossen hatten, sollten nun die illegale Tätigkeit unter Anleitung des KJV verfolgen.

Da es nicht mehr möglich war, Treffen in eigenen Heimen abzuhalten, entstand eine intensive Ausflugstätigkeit. Auf diesen Ausflügen und Wanderungen wurde versucht, so gut als möglich die Arbeit, die früher in den Gruppenstunden gemacht wurde, fortzuführen. Die alten Kampflieder konnten nur noch bei diesen Wanderungen gesungen werden und auch dann nur, wenn man sicher sein konnte, dass sich auch alle Kinder, die daran teilnahmen, den illegalen Falken zugehörig fühlten. Schließlich gab es auch eine illegale Presse: "Der Rote Trommler" wurde nur bei illegalen Zusammenkünften verteilt, und es wurde sehr darauf geachtet, dass die "legalen" Führer von dieser Tätigkeit ausgeklammert wurden und die Zeitungen nicht in den "legalen" Heimen auftauchten. Zum Teil gelang es auch, Kinder und Jugendliche in sogenannten legalen Gruppen zu sammeln. Als solche legale Gruppen dienten verschiedenste Vereinigungen unter deren Namen weiterhin Treffen abgehalten wurden. In Wien war es beispielsweise einer Gruppe des RSKO (Revolutionäre Sozialistische Kinderorganisation), einer Nachfolgerorganisation der Roten Falken möglich, bei den Guttemplern unterzukommen. Wiederum andere Falkengruppen bestanden nun als Kinderlesegruppe im Rahmen der Wiener Städtischen Bücherei, andere unter der Patronanz eines katholischen Priesters als Gruppe "Don Bosco" oder als Kindergruppe des Wiener Volksbildungsvereins, wieder andere gemeinsam mit Erwachsenen unter dem Vereinsnamen "Chorvereinigung der Bauarbeiter", dem ehemaligen Arbeiter-Sängerbund Wien-Hernals.

Trotz zahlreicher Vorsichtsmaßnahmen und konspirativer Tätigkeit kam es immer wieder zu Verhaftungen. Die Mitarbeiter der Falken standen auf den Verhaftungslisten des austrofaschistischen Regimes, gegen einige Falkenführer wurden Prozesse wegen der Verteilung "aufhetzerischer" Flugzettel geführt, sie wurden als Mitarbeiter der "marxistisch orientierten Roten Falken" bezeichnet. Die Nationalsozialistische Machtergreifung in Österreich beendete schließlich die illegale Tätigkeit der Falken, da es unter den neuen Verhältnissen unverantwortlich gewesen wäre, Kinder den mit der Illegalität verbundenen Gefahren auszusetzen. Zahlreiche ehemalige Mitglieder der Falken setzten den Weg des Widerstandes jedoch als Mitglieder anderer Bewegungen fort: bei den Kommunisten, den Revolutionären Sozialisten, der Anti-Hitler-Bewegung oder den Partisanen. Viele von ihnen erlebten das Ende des 2. Weltkrieges nicht. 

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